Spür mal… deine Fußsohlen, deine Ohrläppchen. Alles noch da? Es kribbelt, vielleicht spürst du nichts oder du greifst reflexartig an dein Ohr? Gedanken drängen sich auf, angenehme, unangenehme – und du hast die Wahl: bewerten, sich in Geschichten verlieren oder sich wieder dem Spüren zuwenden.

Wozu das gut sein soll? Berechtigte Frage!
Es gibt zahlreiche Informationen über die Wirkung von Achtsamkeit und achtsamer Wahrnehmung – auch wissenschaftlich fundiert. Achtsamkeit erlebt aktuell eine starke mediale Präsenz. Viele Menschen finden dadurch einen Weg aus der Belastungsspirale. Die Grenze zur schlichten Selbstoptimierung ist dabei oft nicht zu erkennen. Wir werden überschwemmt mit Empfehlungen zur Selbstoptimierung, die unserer menschlichen Natur nicht gerecht werden.

Als alt&weise verstehen wir Achtsamkeit vor allem als einen Weg, um unser Leben und unsere Lebendigkeit näher zusammenzubringen. Es ist ein Weg, unser Potential kennenzulernen und zu entfalten. Das sind Prozesse, die viel Gemeinsamkeit haben mit wachsen, gedeihen, heilen und blühen. Dabei verstehen wir uns selbst als Lernende, die durch kritisches Hinterfragen, Selbstreflektion und Wissenschaftlichkeit dieses komplexe Phänomen tiefer und weiter ergründen.

Achtsamkeit ist deshalb so wertvoll, weil sie bei der unmittelbaren, subjektiven Wahrnehmung ansetzt – dem Ursprung von Glück, Leid, Schmerz und jedweder Veränderung.

 

Wegweiser

Achtsamkeit führt zu nichts. Zu nichts Greifbarem.

…dafür aber zu dem unermesslichen Reichtum an Spürbarem, das die Grundlage aller Lebenserfahrungen ausmacht, aus denen sich wiederum alles andere ergibt.

Achtsamkeit ist Wahrnehmung, die bereit ist, sich auf das Erleben eines jeweiligen Augenblicks einzulassen.

Eine achtsame Wahrnehmung übt sich darin, zu den „Rohdaten“ der Sinneseindrücke (sehen, hören, schmecken, riechen, tasten, spüren) zurückzukehren. Durch „Wahrnehmungsfilter“ wird unser Erleben fortwährend in vorbestimmter Art und Weise beeinflusst. Wahrnehmung ist ein aktiver Prozess und hinterlässt einen Gesamteindruck, der dann unser Erleben bestimmt und Reaktionen hervorruft.

Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum.
In diesem Raum liegt unsere Macht
zur Wahl unserer Reaktion.
In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.

Viktor Frankl